Ein „Kunstmuseum Böblingen“ als Weiterentwicklung der städtischen Galerie?
Ein „Stadtforum“ als Weiterentwicklung des Bauernkriegsmuseum?
Ein „Zentrum für Ernährung“  als Weiterentwicklung des Fleischermuseums?

Diese Fragen sollten in der öffentlichen Museumskonferenz im Juli diesen Jahres diskutiert werden. Als Grundlage dienten die Vorschläge der Gutachter zur Museumskonzeption, die schon seit vielen Jahren nach einer Fortentwicklung und Neuorientierung verlangt. Bevölkerungs-, Standort-, und Nutzerumfragen, wurden gemacht. Welche Alleinstellungsmerkmale und welche Besonderheiten können herausgearbeitet werden, um auch überregional mehr Aufmerksamkeit und Besucher zu erreichen.

Diese erste Veranstaltung wurde von vielen Interessierten besucht. Es entstand eine sehr hitzige Diskussion, die leider teilweise nicht sehr sachlich war! Sollten wir bei einer Bürgerbeteiligung so miteinander umgehen? Führt das zum Erfolg?
Ich denke nicht. Als langjähriges Mitglied in der AG Kultur, beim Galerieverein und den Museumsfreunden ist mir eine Weiterentwicklung des Kulturangebots in Böblingen wichtig. Neben den vielen kulturtreibenden Vereinen und dem großen ehrenamtlichen Engagement Vieler, ist auch die Museumslandschaft unserer Stadt ein wichtiger weicher Standortfaktor. Die historischen Wurzeln und Entwicklungen prägen eine Stadt und ihre Menschen. Diese Erkenntnis sollte uns Mut machen, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.

Böblingen ist viel mehr als nur der „Bauernkrieg“. Bei der stadtgeschichtlichen Darstellung fehlen noch wichtige gesellschaftspolitische Entwicklungen und Themen, wie z.B.: die Fliegerei- und Industriegeschichte.

Ein Vorschlag – kein Beschluss – der Gutachter ist es, diese Ausstellung des Bauernkriegsmuseums in einem Stadtforum weiter zu entwickeln. Die Ausstellung besteht seit mehr als 30 Jahren in unveränderter Form und hat sicher ein Alleinstellungsmerkmal und erinnert auch an den Freiheitsgedanken. Ist es da aber nicht an der Zeit, bestehendes zu hinterfragen und Neu zu denken? Freiheit bedeutet doch auch Toleranz gegenüber neuen Ideen und Meinungen.

Mit unseren drei Museen haben wir künftig die große Chance Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft noch besser zu präsentieren. Darüber miteinander zu diskutieren lohnt sich. Gemeinsam und nicht gegeneinander, können wir neue Ziele erreichen.

Die Vorschläge im Gutachten sind keine Entscheidung, sondern ein Anfang für alle Interessierten sich einzubringen und mitzuarbeiten. Dann kann der Gemeinderat die richtigen Rahmenbedingungen für eine Machbarkeitsstudie formulieren und diese beauftragen. Hier fließen die Vorschläge, Meinungen, die Standort- und Kostenfragen ein.

In der Museumskonzeption wird ausdrücklich betont, dass alle Museen Entwicklungspotential für die Zukunft haben. Es gibt keinen Beschluss zur Schließung einer Einrichtung. Um Entscheidungen fundiert treffen zu können, haben wir einen Antrag zu einem Ortstermin mit Informationen zum Stand früherer Beschlüsse gestellt.

Fakt ist: bereits vor vielen Jahren wurde ein Grundsatzbeschluss zur Trennung von Galerie und Bauernkriegsmuseums gefasst. Mit der Schloßberg-Bebauung, hätten wir dieses Ziel bereits heute erreicht. Ein Neubau würde diese Frage am besten lösen! Diese Erkenntnis hatte man damals schon, aber leider keine Mehrheit.

„Wie geht Böblingen mit seiner Stadtgeschichte um? Wie kann sie in moderne zeitgemäße Form umgesetzt werden? In welchen Räumen, mit wie viel Personal? Museumspädagogik für alle Einrichtungen? Wie viel ist uns das Wert?“ Diese Fragen müssen mutig gestellt und beantwortet werden.
In der Konsequenz aber auch endlich zu einem Ergebnis führen.

ingrid.stauss@stadtrat-boeblingen.de
Stadträtin Freie Wähler


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