Vor einigen Wochen, auf der Veranstaltung „Buntes Böblingen – für Vielfalt, Toleranz und Offenheit“, wurde mir etwas wieder deutlich vor Augen geführt: nur gemeinsam und mit einem offenen Geist und einer toleranten Grundeinstellung können wir die Herausforderungen unserer Zeit anpacken. Misstrauen, Vorurteile und ständiges Bedauern darüber, was mal anders und besser war, bringen uns als Gesellschaft nicht voran, sondern lähmen uns und machen es unmöglich, gemeinsam zu gestalten. Mir ist sehr bewusst, dass das Miteinander verschiedener Kulturen, Religionen, politischer Einstellungen und gesellschaftlicher Schichten nicht immer bunt und fröhlich ist. Manchmal ist es grau und zäh! Probleme zu ignorieren und kleinzureden schürt Ängste und Unzufriedenheit, aber immer nur die Probleme zu sehen und dabei die positiven Aspekte vollkommen auszublenden, macht auch nicht glücklich. In meiner Firma arbeiten die unterschiedlichsten Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern miteinander. Da mögen sich nicht alle gleich gern, sind nicht alle gut miteinander befreundet, aber alle behandeln sich mit gegenseitigem Respekt und Menschlichkeit und wollen auch so behandelt werden. So bilden sie eine Gemeinschaft und arbeiten gemeinsam an der gleichen Sache.

Dem Neuen und Fremden eine Chance geben

Böblingen verändert sich, überall wird abgerissen, neu gebaut, geplant und gestaltet. Nicht alles findet den Beifall der Mehrheit. Veränderung macht Angst. Das Altbekannte war vielleicht nicht schön, aber es war eben nicht fremd.

Ob Böblingen einen lebens- und liebenswerte Stadt ist, hängt aber nicht von einem Einkaufszentrum ab und wird auch nicht vom Gemeinderat oder der Stadtverwaltung bestimmt. Es sind doch WIR Böblinger Bürger, alle gemeinsam, die dafür sorgen können, dass Böblingen unser Lieblingsort zum Leben und Wohnen wird. Auch ich bin in meiner Jugend gerne im Künstlerviertel unterwegs gewesen und finde es traurig, dass es diese Ausgehmeile so nicht mehr gibt. Aber es gibt dafür viele neue gastronomische Angebote in unserer Stadt, die es zu entdecken gilt. Auch für mich war klar: am Samstag geht‘s zum Bummel ins City Center. Doch ich bin sicher, eine fertiggestellte Bahnhofstrasse und ein gut gestalteter Schlossbergring bieten neue Aufenthaltsqualität. Man muss dem Neuen und Fremden eine Chance geben. Man muss den Mut und die Energie haben, mitzugestalten. Durch das fast gebetsmühlenartige Wiederholen von negativen Aussagen in den sozialen Netzwerken, wie „Böblingen geht vor die Hunde“, „nach Böblingen kann man nicht mehr gehen, nur noch Verbrecher“ wird sich nichts ändern. Rausgehen, hingehen, mitmachen, den öffentlichen Raum mit Leben und positiver Energie füllen, wie beim Schlemmen am See. Da klappt das hervorragend! Und man muss den Mut haben, auch auf fremde Menschen zuzugehen, ihnen die Chance geben, ein Teil unserer Gesellschaft zu werden. Das haben wir schon mehrfach geschafft. Der Großteil der Gastarbeiter der Nachkriegszeit ist heute bestens integriert und aus unserer Mitte gar nicht wegzudenken. Auch die Flüchtlingswelle während des Balkankrieges hat uns vor große Herausforderungen gestellt, und es lief nicht immer alles glatt. Dennoch sind diejenigen, die geblieben sind, heute in Böblingen und anderswo ein wichtiger Teil unseres Lebens.

Lassen Sie uns alle gemeinsam daran arbeiten (und ja – Arbeit bedeutet manchmal Stress, Schweiß und Muskelkater…) Böblingen lebens- und liebenswert zu machen. Engagieren Sie sich in Vereinen, Interessengemeinschaft, Parteien, Schulen und Stadtteiltreffs! Machen Sie mit! Nächster wichtiger Termin zum Mitmachen: Samstag, 04.04.2020 Stadtputzete Böblingen!

Für die Fraktion der Freien Wähler
Ihr Ralf Sklarski


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