Am 6. Mai hat der Gemeinderat zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie wieder getagt – mit großem Abstand in der Kongresshalle und unter entsprechenden Hygieneschutzmaßnahmen. Eine ungewöhnliche und etwas gespenstige Situation. Doch erlebten wir nicht alle ähnliche Situationen in den vergangenen Wochen? Das öffentliche Leben wurde heruntergefahren und Veranstaltungen abgesagt. Wegen Kontaktbeschränkungen mussten Geschäfte, Kitas, Schulen, Gastronomie und Betriebe u.a. schließen. Also eine große Herausforderung an die Stadtgesellschaft, die gemeinsam zu meistern war und ist. Sie wurde von großer Solidarität und einer Wir-Kultur getragen.

Wie ist Böblingen mit dieser Herausforderung umgegangen?

Die geforderten Maßnahmen wurden dank gut funktionierendem Krisenmanagement schnell und unbürokratisch umgesetzt und haben gewirkt. So wurde die Bevölkerung über alle Medien informiert und eingebunden. Die Aktion „Böblingen hilft“ startete mit dem Angebot: „Wer braucht Hilfe und wer kann Hilfe anbieten?“ Die Wirtschaftsförderung und das Stadtmarketing informierten Betriebe und Geschäfte über die bestehenden Vorschriften und nannte Unterstützungsmöglichkeiten und Hilfen. Viele aktuelle Angebote findet man im Amtsblatt und auf der städtischen Internetseite. Kreative Ideen wie das Nähen von Mundschutzmasken, Einkaufshilfen, Lieferservice der Gastronomie und des Handels oder regionales Online-Einkaufen wurden umgesetzt. Auch Kirchen, Sportvereine, Musikschule, Bücherei oder Museen nutzten die Möglichkeiten der Online-Präsentationen. Und Bürgerbeteiligung geht auch online! Diese neuen Denkansätze könnten beispielhaft für die neue Museumskonzeption sein. Jetzt gilt es, Erfahrungen zu sammeln, denn: „Kultur ist nicht alles, aber ohne Kultur ist alles nichts“.

Urbanes Stadtleben mit Restaurants, Kino, Veranstaltungen und Geschäften haben uns gefehlt und gezeigt, wie Innenstädte aussehen, wenn alles nur noch über die großen Internetplattformen konsumiert wird. Familien wurden besonders stark belastet durch Kurzarbeit, Homeoffice sowie die Kita- und Schulschließungen. Deswegen ist das Aussetzen der Kita-Gebühren für diesen Zeitraum eine Maßnahme der Stadtverwaltung, die finanziellen Belastungen etwas zu mildern. So wurde auch deutlich, wie wichtig der Ausbau der Digitalisierung ist. Wie kann man miteinander trotz des „Lockdowns“ in Kontakt bleiben? Die technische Ausstattung von Schulen muss ausgebaut und gefördert werden.

Nun beginnt die schwierige Aufgabe, langsam wieder zu einem Leben ohne Angst zurück zu kommen. Wir haben diese Ausnahmesituation bis herhin gut gemeistert. Die Wiedererlangung unserer Grundrechte erfolgt sukzessiv. Was lernen wir daraus für die Zukunft? Schaffen wir es, weiterhin Abstand zu halten? Manche Situationen auf den Spielplätzen und beim Einkaufen machen nachdenklich und müssen verbessert werden.

Haushalt: Prioritäten setzen

Bei der letzten Gemeinderatssitzung wurden auch die neuen Zahlen zum Haushalt vorgetragen. So hohe Einbrüche in den Gewerbesteuereinnahmen hat Böblingen noch nicht erlebt. Droht eine Haushaltssperre? Jetzt ist es wichtiger denn je, Prioritäten zu setzen. Was können, was wollen wir uns in Böblingen weiterhin leisten? Mit Augenmaß wird das in den nächsten Monaten ein wichtiges Thema sein. Wir müssen auf Sicht fahren. Was begonnen wurde, sollte auch beendet werden. Der Gemeinderat stellt sich dieser Verantwortung, um die Krise zu überwinden.

Auch ich werde mich dafür einsetzen, die notwendigen Maßnahmen einzuleiten und umzusetzen.

Ihre Ingrid Stauss

Fraktion Freie Wähler Böblingen


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