Die Corona-Pandemie hat es einmal mehr gezeigt: Unser Einzelhandel ist uns wichtig, denn die persönliche Beratung mit einem lächelnden Gesicht hat uns gefehlt. Viele Einzelhändler haben über Lieferservices, Gutscheine oder Online-Angebote versucht, die schwere Zeit zu überstehen. Gerade deswegen ist es jetzt um so mehr wichtig, die Einzelhändler zu unterstützen. Unsere Fußgängerzone in der Bahnhofstraße, der Schlossbergring oder auch der Postplatz leben nicht von großen Ketten oder Leerständen, sondern von der Individualität und der Besonderheit unserer Unternehmen aus Böblingen. Die regelmäßigen Konflikte zwischen Stadtverwaltung und Händlern lassen vermuten, dass dies nicht immer so gesehen wird und das ist bedauerlich. Die Pläne der Stadtverwaltung unsere Stadt neu und attraktiv zu gestalten sind gut und richtig. Es kommt dabei auch nicht darauf an, dass alle mit jedem Plan einverstanden sind, sondern die Maßnahmen mehrheitsfähig sind. Es gelingt der Verwaltung aber leider nicht immer, die Sorgen und Bedenken unserer lokalen Händler auszuräumen, da die Kommunikation nur partiell erfolgt. Unser Oberbürgermeister sucht immer den Dialog, wenn es mal wieder brennt, was lobenswert ist. Doch wir müssen hier viel früher anfangen: Bei der direkten und regelmäßigen Ansprache aller Händler vor Ort. Das ist mit Arbeit verbunden und aufwändig. Aber das ist gelebte Bürgerbeteiligung, die unserer Verwaltung eigentlich doch sehr wichtig ist.

Hierfür hätten wir auch ein gut funktionierendes Instrument: Unser Stadtmarketing. Wir haben hier engagierte Mitarbeiter/innen, die unser Händler kennen und mit diesen den Dialog suchen. So wurde vom Stadtmarketing vor kurzem die AG Bahnhofstraße – die Dialogplattform für unsere Händler in der Bahnhofstraße – zu neuem Leben erweckt, um den Austausch mit den Händler unserer Fußgängerzone auf eine neue breitere Basis zu stellen. Das Stadtmarketing greift Ideen und Anregungen der Händler auf uns stellt die Verbindung zu Wirtschaftsförderung und Stadtplanungsamt – die bei vielen Themen häufig die operative Verantwortung haben – her. Doch gleichzeitig arbeiten wir beim Stadtmarketing-Verein auch weiterhin mit befristeten Stellen, was eine große Unsicherheit für die Mitarbeiter/innen des Stadtmarketings bedeutet und in der Vergangenheit zu einer enorm hohen Fluktuation bei diesen gesorgt hat. Wie soll mal im Stadtmarketing Netzwerke und Vertrauen zu den Händlern aufbauen, wenn die Mitarbeiter/innen regelmäßig wechseln? Das geht nicht! Daher haben die Freien Wähler schon vor mehreren Jahren mit einem noch immer nicht abgearbeiteten Antrag gefordert, die Strukturen des Vereins zu überdenken und die Mitarbeiter/innen des Stadtmarketings in die Wirtschaftsförderung der Stadt zu integrieren. Das würde die notwendige Sicherheit geben, Fluktuation verhindern und die so wichtige Kommunikationsschnittstelle zwischen Stadt und Händlern stärken. Können wir uns das leisten? Selbstverständlich! Denn die Stadt zahlt das Personal des Stadtmarketing-Vereins seit Jahrzehnten in Form von Zuschüssen an den Verein. Das Argument, man wolle keine Stellen aufbauen, zählt hier nicht. Es werden nur Sachkosten gegen Personalkosten getauscht. Unter dem Strich kostet es nichts. Wir können nur gewinnen, in dem wir wichtige Mitarbeiter an uns binden und diese in die Verwaltung integrieren. Wann wäre dieses längst überfällige Signal passender als in Corona-Zeiten?

Daniel Wengenroth


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