Die Kläranlage Böblingen/Sindelfingen filtert über mehrere Verfahren unser Abwasser. Anschließend wird das geklärte Wasser fast zu 80% als reines Wasser in die Schwippe eingeleitet. In Deutschland gibt es nur wenige Kläranlagen, welche vergleichbare Reinigungswerte erreichen. Aus dem Reinigungsprozess bleibt u.a. der Klärschlamm als Abfallprodukt übrig. Wichtig ist, dass im Klärschlamm der teure Rohstoff Phosphor vorkommt. In unserer Kläranlage sammeln sich zwischen 8 und 9 Tausend Tonnen entwässerter Klärschlamm pro Jahr an. Trotz der Entwässerung beinhaltet der Klärschlamm noch ca. 75% Restwasser. Dieser Klärschlamm wurde bislang in Zementfabriken oder Kohlekraftwerken für viel Geld (ca. 50 Euro/Tonne Tendenz steigend) entsorgt. Dies ist gesetzlich ab 2029 nicht mehr möglich, so dass der Kläranlagenbetreiber in die Verwertungsverantwortung genommen wird. Der Gesetzgeber schreibt weiter vor, dass bis 2023 ein Konzept zur Phosphorrückgewinnung aus dem Klärschlamm vorliegen und dieses bis 2029 umgesetzt werden muss. Phosphor ist ein nicht endloser Wertstoff, der in verschiedenen Industriezweigen benötigt wird. Schon aus diesem Grund erscheint es mir wichtig, den Klärsch

lamm in einer Klärschlammverbrennungsanlage zu trocknen und die wichtige Ressource zu trennen.

Der Landkreis möchte daher ohne Gewinnabsicht auf dem Gelände des Restmüllheizkraftwerkes eine Klärschlammverbrennungsanlage (KBB) bauen. Dort sollen 80-120 Tausend Tonnen Klärschlamm jährlich „getrocknet“ werden. Dazu möchte der Landkreis einen Zweckverband mit interessierten kommunalen Kläranlagenbetreibern im Umkreis von 35 Kilometern gründen. Bei vielen Bürgern erzeugt dieses Ansinnen Unbehagen, manche lehnen dies strikt ab. Aufgrund des Klimawandels und den einhergehenden Klimazielen sollten wir uns die Vorteile einer solchen Anlage auf unserer Gemarkung nicht ent

gehen lassen. Viele Bürger sind Nutzer einer Fernwärme-Heizung. Diese Wärme beziehen wir zu großen Teilen aus dem Restmüllheizkraftwerk (RBB). Die Energiegewinnung aus dem RBB ist zu 100

% klim

aneutral. Können wir nun weitere Wärme aus dem KBB einspeisen, so gewinnen wir weiter klimaneutrale Energie in unserem Fernwärmenetz. Der Gesetzgeber hat die Energiegewinnung aus der Verbrennung von Restmüll und Klärschlamm als klimaneutral eingestuft. Dies dürfen wir nicht außer Acht lassen. Natürlich muss der Klärschlamm zur Anlage transportiert werden. Hier ist klar gerege

lt, dass maximal 15 LKW täglich die Ostumfahrung tangieren werden. Allerdings werden die Fahrzeuge zu verkehrsarmen Zeiten fahren. Daher wird kein zusätzlicher Verkehrsstau entstehen.

Braucht Böblingen eine weitere Anlage auf dem Gelände des RBB?

Die geplante Anlage passt genau neben das RBB. Dem Betreiber der Anlage wird eine saubere Klärschlammverbrennung unterstellt. In einer Anlage bei Zürich wird das schon umgesetzt. Die Anlage wird keine Geruchsbelästigungen und Umweltschadstoffe in unsere Umgebung abgeben. Des Weiteren werden lange LKW-Fahrten im Bundesgebiet verhindert und durch kürzere Anfahrten ersetzt.

Einziger Wermutstropfen ist derzeit eine noch nicht gebaute Anlage, welche zur Phosphor-Rückgewinnung des getrockneten Klärschlammes herangezogen werden kann. Aber hier ist Baden-Württemberg mit einer Pilotanlage in Südbaden am Start. In den nächsten Jahren entsteht auf der Gemarkung Breisach eine Pilotanlage zur Phosphor-Rückgewinnung aus Klärschlamm.
Für mich überwiegen die Vorteile zum Bau einer KBB auf unserer Gemarkung. Wir sind dann auf einem guten Weg über einen Klimapark RBB und KBB Strom, Wärme und später den wichtigen Rohstoff Phosphor zu generieren.

Ihr Frank Hinner
Fraktionsvorsitzender Freie Wähler Böblingen