Es ist es wieder Frühling geworden in unserer Stadt. Wieder könnte ein umtriebiger Sommer vor uns liegen. Aber danach sieht es nicht aus, denn Corona hat uns weiter fest im Griff.

Ich frage mich, wie es sein wird, wenn unsere so beliebten Aktionen wie das Stadtfest oder Schlemmen am See wieder gefeiert werden können, die großen Baustellen beendet sind, der Elbenplatz umgestaltet ist und der Verkehr wieder auf der Herrenberger Straße fließt. Gibt es Nachhaltigkeit in unserer Stadt? Ich denke schon.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die bleiben, zum Beispiel der kleine Glockenturm, der sich einst auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes der ehemaligen Zuckerfabrik befand. Später war es die Heimat des evangelischen Jugendwerkes. Das alte Gebäude in der Paul-Gerhard-Straße musste weichen, es hat Platz gemacht für einen neuen, wirklich gelungenen Kindergarten. Längst sind die Außenanlagen fertiggestellt und der alte Glockenturm fand eine neue Heimat.

 

Stadtpark als Naherholungsgebiet

Eine bleibende Spur hat auch die Gartenschau von 1996 hinterlassen, wenn man die Wandelhalle – damals übrigens nicht ganz unumstritten – betrachtet, die Rosengärten der Partnerstädte oder auch die umgestalteten Seen. Nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner Böblingens fühlen sich hier gerade im Sommer wohl, sondern auch eine immer weiterwachsende Population an Gänsen. Was vor einigen Jahren mit wenigen Nilgänsen begann, hat sich zu einem Problem ausgewachsen, dem jetzt ein Seeadler Einhalt gebieten soll. Gänsefamilien sind ja zuweilen ganz putzig, jedoch vertreiben sie und ihre Hinterlassenschaften die Menschen aus den Anlagen.

Auch die Veranstaltungsreihe „Sommer am See“ verdanken wir dem Großereignis Gartenschau. Leider ist jedoch auch sie ein Coronaopfer. Und wer vermisst sie nicht, all die großen und kleinen Veranstaltungen in dieser Reihe. Ich jedenfalls hoffe, dass sie bald wieder in gewohnter Weise stattfinden können und freue mich solange an den kleineren Formaten, die trotz aller Widrigkeiten, dank dem unermüdlichen Engagement des Kulturamtes stattfinden. Herzlichen Dank dafür an dieser Stelle.

An anderer Stelle hat Böblingen einen Wandel erfahren, der vom vorherigen Stand wenig übriggelassen hat. Die Sporthalle ist gewichen und ein neuer kleiner Stadtteil, das Wohnen am Stadtpark, ist entstanden. Nur das gegenüberliegende Baumoval erinnert noch daran, was gewesen ist.

Die offensichtlichste Wandlung hat das Flugfeld erfahren. Schon früh immer wieder dem Wandel zwischen Militärflugplatz und ziviler Luftfahrt unterworfen, fristete es lange Jahre ein Dasein als Reparaturwerk des amerikanischen Militärs.

Jetzt ist es geprägt durch Wohnbebauung und Gewerbeansiedlung. Ein buntes Miteinander ist hier entstanden.

 

Was ist hier geblieben aus der Vergangenheit?

Die erste Wartehalle verschwindet beinahe zwischen ihrer neuen Nachbarschaft, wurde umgebaut und bietet innen und außen Platz für geselliges Miteinander, wenn es denn wieder erlaubt sein wird. Die kurz nach 1925 begonnene Flugzeughalle und das Empfangsgebäude haben die Zeiten überdauert und beherbergen heute jede Menge Autos und Hotelgäste.

Es gibt jedoch eine Stelle, der ein Wandel – oder sagen wir eine Weiterentwicklung – noch bevorsteht. Ich spreche vom Schlossberg. Fast scheint es, als sei er resistent gegen alle Versuche ihn wiederzubeleben. Veranstaltungen, die dort einst verortet waren, sind längst abgewandert. Das einstige „Fressgässle“ sowie der Weihnachtmarkt sind Richtung Elbenplatz und See abgewandert, und der Wochenmarkt findet schon lange im Pestalozzihof statt.

Derzeit gibt es wieder Initiativen und Bemühungen, diesen Ort in den Fokus zu rücken und ihm zu neuem Glanz zu verhelfen, einen Wandel herbeizuführen. Er hätte es verdient!

 

Für die Fraktion Freie Wähler

Ihre

Gudrun Seidenspinner