Digitalisierung ist in der heutigen Gesellschaft längst zur Normalität geworden. Alle Geschäfts- und Dienstleistungsbereiche sind ohne Digitaltechnik schon lange nicht mehr vorstellbar. Virtuelle Teams und Besprechungen über Ländergrenzen hinweg vom eigenen Arbeitsplatz aus funktionieren in der Wirtschaft schon seit Jahren. Aber in der öffentlichen Verwaltung und in den Schulen sind Vernetzungen und digitale Dienstleistungen an vielen Stellen nur eingeschränkt verfügbar, was man besonders schmerzhaft in der Corona-Pandemie erlebt hat. Einfache Behördengänge oder auch Homeschooling hätte man mit der richtigen IT-Infrastruktur durchaus schnell und ohne direkten Kontakt effizient und kostengünstiger erledigen können.

Dies ist in der Stadtverwaltung sehr wohl bekannt. Als es notwendig wurde, wurde gehandelt. Mobile Endgeräte wurden angeschafft. Die Breitbandvernetzung aller städtischen Einrichtungen, Behörden, Schulen und Kindergärten in Böblingen und Dagersheim steht kurz vor dem Abschluss.

Aber nur reagieren reicht nicht. Um nicht abgehängt zu werden, bedarf es proaktiver Schritte. Andere Kommunen (nicht nur in Skandinavien, sondern auch in Deutschland) sind an dieser Stelle schon viel weiter. Vielerorts lassen sich bereits heute Verwaltungsangelegenheiten digital von zu Hause aus erledigen, Anträge stellen, Formulare einreichen, Wohnsitz ummelden und noch vieles mehr. Lösungen müssen nicht selbst gefunden werden. Man könnte zum Beispiel über den Städtetag Baden-Württemberg gegenseitige Erfahrungen austauschen und voneinander lernen. Einen starken lokalen Partner bei der Entwicklung und Umsetzung digitaler Strategien haben wir auch hier vor Ort. Das Herman Hollerith Lehr- und Forschungszentrum (HHZ), mit seinen Studienschwerpunkten in Digital Business, Engineering und Management ist ein sehr starker Partner. Die Entwicklung und Verbesserungen digitaler Behördenabläufe kann man sicherlich durch Zusammenarbeit und innovative Bachelor- und Masterarbeiten erarbeiten. In Böblingen wurde der Breitband- und Digitalisierungsbeirat wieder aktiviert. Gemeinsam mit der Verwaltung und dem HHZ wurden in Workshops digitale Themen erarbeitet und Prioritäten festgelegt. Man merkt, dass die Weichen richtig gestellt sind.

Digitalisierung bedeutet Produktivitätssteigerung

Natürlich können wir nicht sämtliche Angelegenheiten „nur“ digital erledigen. Es gibt Personen, die nicht die technischen Voraussetzungen und Kenntnisse oder vielleicht auch Sprachbarrieren haben, um virtuell Behördengeschäfte zu erledigen und manche Fragestellungen benötigen intensive Beratung. Dies ist aber kein Hindernis, möglichst viele der einfachen Abläufe jetzt „remote“ – also ohne persönlichen Besuch – anzubieten. Ein vernünftiges „sowohl als auch“ überlässt es jeder Person, ob sie unabhängig von Ort und Zeit – digital per Knopfdruck oder vor Ort ihre Angelegenheiten erledigten möchte. Der bequeme Weg wird sich durchsetzen. Mit jeder digital gelösten Anfrage entlasten wir die Verwaltung und erreichen eine Produktivitätssteigerung, die den städtischen Haushalt entlastet.

Dass die Digitalisierung nicht nur Kostenfaktor und Selbstzweck ist, sondern auch einen Beitrag zu Umweltschutz und Ressourcenschonung sein kann, sehen wir im Gemeinde- und Ortschaftsrat sehr deutlich. Seit es die Sitzungsunterlagen in digitaler Form gibt, wurden bestimmt schon eine Million Fotokopien und deren Postversand eingespart.
Wenn Sie mir Ihre Gedanken zur digitalen Verwaltung mitteilen möchten, freue ich mich über eine E-Mail an: arthur.bamberger@stadtrat-boeblingen.de

Für die Fraktion Freie Wähler

Ihr Arthur Bamberger